^ Alte Schmiede - Der Verein mit dem Hammer

24.11. Montag
18.00
AS
STUNDE DER LITERARISCHEN ERLEUCHTUNG: 68. Autoren-/Autorinnenprojekt der Alten Schmiede •
ANESTIS LOGOTHETIS (1921, Burgas – 1994, Wien): sprachmusik, klangliteratur und visuelle poesie
JÖRG PIRINGER (Wien) liest, performt, zeigt und zieht parallelen • mit freundlicher Unterstützung von Julia Logothetis
20.00
AS
BRIGITTA FALKNER (Wien) stellt ihr Transformations- und Metamorphosenprojekt STRATEGIEN DER WIRTSFINDUNG vor
Filmvorführung und Mappenpräsentation (Buchfassung in Vorbereitung)

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Anestis Logothetis ist vor allem als komponist bekannt, der die zeitgenössische musik nach 1945 entscheidend mitprägte. sein interesse galt jedoch stets der verbindung von musik und sprache und so entwickelte er seine spezifische grafische notation von musik auch für texte. die so entstandenen partituren für performative literatur, die die wörter, sätze und fragmente als vom zeilenraster befreite anordnung auf dem zweidimensionalen feld der seite arrangieren, sind im deutschsprachigen raum einzigartig.
alle genregrenzen missachtend sind diese werke zugleich sprachmusik, klangliteratur und visuelle poesie. als konsequenter grenzgänger nahm Logothetis damit strömungen in der aktuellen experimentellen kunst und literatur vorweg und bietet anknüpfungspunkte für eine neue rezeption. diese parallelen aufzeigend, bewege ich mich durch das reichhaltige werk, lese, zeige und performe die texte, hörspiele und partituren.
(jörg piringer)

Anestis Logothetis
, *1921 als Sohn griechischer Eltern in Burgas/Bulgarien, †1994 in Wien, studierte zuerst Bauwesen an der Technischen Hochschule in Wien, dann Komposition, Klavier und Dirigieren an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Entwickelte Ende der 50er Jahre eine Notation mit graphischen Elementen. 195568 Mitarbeiter bei verschiedenen Musikverlagen, ab 1969 freischaffender Komponist. Werke (Auswahl): Fantasmata. Tonbandkomposition (1960); Odyssee. Ballett (1963); Dynapolis. Für Orchester (1963); Kerbtierparty. Hörspiel (1972/73); Daidalia oder Das Leben einer Theorie. Multimediale Sprachoper (1976–78); Im Gespinst – geh! spinnst? Konzerthörspiel (1976); Wellenformen 1981. Elektronische Musik (1981); Kassandra Duo/Kassandraauge. Für Harfe und Bassklarinette (1992); Aus welchem Material ist der Stein von Sisyphos? Oper (1992–95). Theoretische Schriften (u.a.): Zeichen als Aggregatzustand der Musik (1974); Die Geschenke meiner Umgebung anhand der Frage: »was denn nun Musik sei« (1998), gesammelt veröffentlicht in: Anestis Logothetis. Klangbild und Bildklang (Hg. v. Hartmut Krones, 1999).

Jörg Piringer
, *1974, lebt in Wien. Mitglied des Instituts für transakustische Forschung und des Gemüseorchesters, arbeitet in den Lücken zwischen Sprachkunst, Musik, Performance und poetischer Software.

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In jedem Behältnis wartet eine potentielle Metamorphose. Was in das Versteck hineinkriecht, kann dieses in einer anderen Gestalt verlassen, schreibt Werner Hofmann über das Phantastische in der Kunst. Wie Bild und Text einander sukzessive durchdringen, kontaminieren und überwuchern, zeigt eine Mappenedition mit 45 Blättern aus einem in Arbeit befindlichen Buch, das 2016 in der Naturkunden-Reihe von Matthes & Seitz unter dem Titel Strategien der Wirtsfindung erscheinen wird. Transformationsprozesse werden aus schrägen Blick- und Schlupfwinkeln am Beispiel parasitärer Systeme und fremdartiger Mikrofaunen dargestellt. Der Kurzfilm Strategien der Wirtsfindung wurde für den ZEBRA Poetry Film Award 2014 nominiert.
Mit einem Zitat aus A. N. Whiteheads Process and Reality beginnt das filmische Palimpsest THE MAKING OF: All things are vectors. In Umkehrung des Produktionsprozesses werden Schichten freigelegt, Segment für Segment entfernt und so ein flirrendes Nebeneinander (Durcheinander) von heterogenen Zuständen erzeugt: indem ein Ding verschwindet, wird das darunterliegende sichtbar und so fort (als sei schon alles da, was geschehen wird).
Brigitta Falkner, *1959 in Wien, wo sie lebt. Publikationen (u.a.): Tobrevierschreiverbot. Palindrome (1996); Fabula Rasa oder Die methodische Schraube (2001); Bunte Tuben. Anagramm (2003); Populäre Panoramen I (2010). Radiophone Arbeiten, Videos, Kurzfilme, zuletzt: Flüchtige Architekturen (2011); The Making Of (2012); Strategien der Wirtsfindung (2013). Fotos, Comics, Zeichnungen; Einzel- und Sammelausstellungen. Heimrad-Bäcker-Preis 2010, Preis der Stadt Wien 2011.

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Zugänglichkeit zu allen Räumlichkeiten barrierefrei oder durch den
Lift gegeben.
Parkplatz für Menschen mit Behinderung vor dem Haus Schönlaterngasse 11
Freier Eintritt zu allen Veranstaltungen der Alten Schmiede