^ Alte Schmiede - Der Verein mit dem Hammer

29.6.–6.7.2015
 DICHTERLOH.


30.6. Dienstag
17.00
LQ
3. Entzündung: Sprachforschung und Geschichtsbild
MARCEL BEYER (Dresden) GRAPHIT. Gedichte (Suhrkamp Verlag, 2014)
18.00
LQ
4. Entzündung: Beginn und Erzählung
ANGELA KRAUSS (Leipzig; Ingeborg-Bachmann-Preis 1988) liest aus EINE WIEGE. Rede in Versen (Suhrkamp Verlag, 2015)

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19.00
LQ

5. Entzündung: Familienkunde und Geschichtserkundung
LULJETA LLESHANAKU (Tirana) zweisprachige Lesung aus KINDER DER NATUR. Gedichte (deutsch von Andrea Grill, Edition Korrespondenzen, 2014) • Einleitung, Übersetzung und Lesungsmitwirkung: ANDREA GRILL (Schriftstellerin, Übersetzerin; Wien)
20.00
LQ
6. Entzündung: Ortsspuren und Ichzeichnung
HANS RAIMUND (Wien – Hochstraß) Auf einem Teppich aus Luft / On a carpet made of air. Ausgewählte Gedichte / Selected poems (edition lex liszt, 2014)
21.00
LQ
7. Entzündung: Erinnerung und Erfindung von Raum und Zeit – Fixpunkte im poetischen Raum I:
Statements und Gedichte, vorgetragen von Marcel Beyer, Angela Krauß, Luljeta Lleshanaku und Hans Raimund • Moderation: Michael Hammerschmid

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29.6.–6.7. DICHTERLOH.
Konzept und Moderation: MICHAEL HAMMERSCHMID
Dass es Dichtung gibt, grenzt an ein Wunder. Als freiste und zugleich gebundenste Form des literarischen Ausdrucks vermag sie uns zu entzünden und abgegriffene Sprechweisen und Wahrnehmungsmodi zu erneuern, das Schmerzende zur Sprache zu bringen, sich blitzschnell durch Raum und Zeit zu bewegen und dennoch beim Wesentlichen zu verweilen, um dabei gleichsam freie Fixpunkte menschlicher Erkenntniskraft zu schaffen, an denen wir unsere Empfindungs- und Kritikfähigkeit überprüfen, ja vielleicht neu erlernen können.                                          
(Michael Hammerschmid)

30.6. Marcel Beyer setzt in »Graphit« seine literarischen Erkundungen als Erzähler, Chronist, Sprach- und Geschichtsforscher fort, erweitert seine Poesie über Frage und Ansprache, Fremd-Wörter, Wortfunde, Orts-Zeichen und zeigt in seinem wie stets geschichtsbewussten Hören und Verstören der (Sprach-)Bilder neue Möglichkeiten zu dichten und »Welt« zu sagen, zu erfragen, auf.

Marcel Beyer, *1965 in Baden-Württemberg, Studium der Germanistik, Anglistik und Literaturwissenschaft an der Universität Siegen; Mitherausgeber der Reihe Vergessene Autoren der Moderne; Lektor der Literaturzeitschrift Konzepte; Mitarbeit an der Musikzeitschrift Spex. Er lebt seit 1997 in Dresden. Gedichtbände, Romane, literaturwissenschaftliche Arbeiten, Libretti, Essays. Gedichtbände (u.a.): Walkmännin (1990), Brauwolke (1994), Falsches Futter (1997), Erdkunde (2002); Romane (u.a.): Das Menschenfleisch (1991), Flughunde (1995), Kaltenburg (2008), Spione (2000); zuletzt erschien: XX.Lichtenberg-Poetikvorlesungen (2015).

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Erzählung und Dichtung sind kein grundsätzlicher Widerspruch, nicht in der Poesie, in der alles möglich ist, nicht in Angela Kraußʼ »Eine Wiege«, wo gleichsam ganz von Anfang an gesprochen, das Große und Kleine in Beziehung gesetzt und gezeigt wird, dass selbst die privaten Kindheits-Fotos, die Ausgangspunkt und Bezugspol dieses Bandes bilden, in der Poesie verwandelt werden können, weil womöglich alles mit allem zusammenhängt, die großen und die kleinen Fragen, das Private, die Geschichte …
Angela Krauß
, *1950 in Chemnitz, Studium der Werbung und Gestaltung in Berlin und am Literaturinstitut J.R. Becher in Leipzig. Prosa, Theatertexte und Lyrik. Ingeborg-Bachmann-Preis 1988, Franz Nabl Preis 2011 (u.a.). Bücher (Auswahl): Glashaus (1988); Dienst-Jahre und andere Prosa (1991); Die Überfliegerin (1995); Milliarden neuer Sterne (1999); Die Gesamtliebe und die Einzelliebe. Poetikvorlesungen (2004); Ich muß mein Herz üben. Gedichte (2009); Im schönsten Fall (2011).

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In »Kinder der Natur« macht sich Luljeta Lleshanaku auf die Suche nach ihrer Kindheit und damit der Periode, in der sich der albanische Kommunismus auf seinem Höhepunkt befand. Eine Zeit der heimlichen Gebete, weil Religionsausübung verboten war, der heimlich gelesenen Bücher, weil ein Großteil der europäischen Literatur von der Zensur verboten war. Hier – zwischen Bergdörfern, Kastanien und wegbrechender Zukunft, wo der »Frühling die Einsamkeit mit seiner Einsamkeit tötet« – tut sich niemand leid, und es gibt weder Opfer noch Täter, höchstens eine Art höhere Macht, mit der man umgehen muss und leben.
Lleshanakus Poesie ist von großer Genauigkeit, eindringlich, feinsinnig und humorvoll. Jede Wendung ist überraschend, wirkt aber dennoch nicht gesucht, sondern wie natürlich gewachsen und von unverwechselbarer Hellsichtigkeit.
(Andrea Grill)
Luljeta Lleshanaku, *1968 in Elbasan, studierte (nach dem Sturz Enver Hoxhas) Sprachen und Literatur in Tirana, wo sie heute lebt. Seit 1993 sind acht Gedichtbände erschienen. Zwei davon erschienen in englischer Übersetzung in den USA, Fresco (2002) und Child of Nature (2010). Für ihre Lyrik wurde sie u.a. 2009 mit dem Kristal-Vilenica-Preis ausgezeichnet.

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Orte oder eher Nicht-Orte, Räume oder eher Zwischenräume, Zeiten oder eher wie Pilze blühende Stofflichkeiten – Hans Raimunds Gedichte, deutsch geschrieben, aber in der zweisprachigen Ausgabe beinahe schon in einer andern Sprache, sind vor allem zweierlei: dem Lokalen, Unscheinbaren, Flüchtigen tief verpflichtet, und dennoch der Weite und der Fremde verschrieben, gänzlich jenseits des Provinziellen, uneitel, persönlich und genau.
Hans Raimund
, *1945 in Petzelsdorf/NÖ. Studium der Musik, Anglistik, Germanistik in Wien, seit 1997 freier Autor und Übersetzer. Lebt nach einem Aufenthalt in Triest (1984 bis 1997) im burgenländischen Hochstraß. Ausgezeichnet u.a. mit Georg-Trakl-Preis 1994, Anton-Wildgans-Preis 2004. Bücher (Auswahl): Der lange geduldige Blick. Gedichte (1989); Porträt mit Hut. Gedichte (1998); Immer noch Gedichte? Ein Pasticcio. Gedichte und Kurzprosa (2011).

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Zugänglichkeit zu allen Räumlichkeiten barrierefrei oder durch den Lift gegeben. Parkplatz für Menschen mit Behinderung vor dem Haus Schönlaterngasse 11
Freier Eintritt zu allen Veranstaltungen der Alten Schmiede


Henri Cole baut in seinen Texten nicht nur auf die Betroffenheit erzeugende traumatische Anekdote, nicht nur auf die Suggestivität eines hinter- und tiefgründig benützten sprachlichen Materials, sondern es gelingt ihm auch immer wieder, Wortstrenge mit Erinnerungsdisziplin, genaue Beobachtung mit unbedingter Wahrheitsliebe virtuos zu vereinen. Das Ergebnis sind formal vielfältige, dichte poetische Texte, die Staunen erregen, eben »wie der Mond, der durch die Föhren dringt«, aber auch spontane Anteilnahme, Entsetzen, Identifikation, Be- und Verwunderung … (Hans Raimund)Henri Cole, *1956 in Japan, Sohn eines Amerikaners und einer Französin, Studium an den Universitäten von Wisconsin und Columbia. 1982–1988 Executive Director der Academy of American Poets. »Artist in residence« und Lehrer an mehreren akademischen Institutionen in den Vereinigten Staaten, zurzeit unterrichtet er an der Universität Ohio; er lebt in Boston. Neun Gedichtbände seit 1986, u.a.: The Marble Queen (1986); The Zoo Wheel of Knowledge (1989); The Look of Things (1995); The Visible Man (1998); Middle Earth (2003); Blackbird and Wolf (2007); Touch (2011); Nothing to Declare (2015).                                                          *Zugänglichkeit zu allen Räumlichkeiten barrierefrei oder durch den Lift gegeben. Parklplatz für Menschen mit Behinderung vor dem Haus Schönlaterngasse 11Freier Eintritt zu allen Veranstaltungen der Alten Schmiede
 
 
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