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liesl
ujvary: text des monats
friederike
mayröcker
drei
propositionen aus: je ein umwölkter gipfel
es
herrschen
einfach andere gesetze zur zeit, sagte
er, und du bist ausgesetzt, ihnen ausgesetzt.
über
deinen schädel werden sie mit mächtigen stiefeln
stampfen, sagte er, und du kannst nichts tun gegen sie.
unter
deinen
sohlen haben sie sich ausgegossen und
ätzen dir deine eingeweide wund wenn du über sie
trittst, sagte er.
aber
du kannst
nicht das haupt erheben gegen sie,
sagte er.
aber
du kannst
niemand anrufen um dein recht.
du
lebst
nämlich ein leben, das nicht dein leben
ist, sagte er.
knöcheltief,
sagte er, bis an die zähne bist du
umstellt.
......
es
steht es
grün, sagte er, gebunden.
man
will doch zu
sinn, sagte er.
rumbohren,
sagte
sie, finger wundkratzen.
gebunden,
sagte
er, an wörter.
zu
grammatikalischem zweck, sagte er, ändern.
ein
übergeordneter zusammenhang ist ja wohl nicht
da, sagte er, lachte er.
zweckränder,
sagte sie, eine flexion.
röhrend
mit herrlichem blick, sagte er.
.....
was
für
ein widerstreit, sagte er.
bis
es endlich
so weit ist.
man
möchte schlieszlich was ordentliches daraus
machen.
es
geht darum,
eine fiktion aufrecht zu erhalten,
sagte sie.
ein
balanceakt.
der
schönheit ins gesicht, sagte er, schlagen!
friederike
mayröcker, je ein umwölkter gipfel. luchterhand
verlag, darmstadt 1973.
mit
genehmigung des suhrkamp verlags.
kommentar
zu friederike mayröcker, aus: je ein umwölkter
gipfel
erschienen
1973 im luchterhand verlag, lektorat klaus
ramm. das sind mal deutliche anklänge an 1968, an die
unaufhörlich geführten
debatten etwa darüber, dass „du ein leben lebst, das
nicht dein leben ist“, wie
der männliche dialogpartner sagt, der überhaupt den
grossteil des textes
vertritt, denn „man will doch zu sinn“,
während sie, der weibliche part, sich
mit worten wie„rumbohren, finger wundkratzen“
einbringt, solcherart privat
politisierend. er „möchte schliesslich was
ordentliches daraus machen“, sie
weiss, dass es ja darum geht, „eine fiktion aufrecht zu
erhalten“, und das sei
nur durch „einen balanceakt“ poetischen tuns zu
erreichen, die deklaration „der
schönheit ins gesicht schlagen!“ genüge
nicht – sie nimmt eine „flexion“ vor,
überschreitet die „zweckränder“,
und da kommt dann dieses „rumbohren, finger
wundkratzen“, der eigentliche schlag ins gesicht der
schönheit. ganz schön
subversiv, das.
liesl
ujvary
Text
vom Vormonat - Reinhard Priessnitz