(10) liesl ujvary: text des monats 


        MUSE : POLYTROP
 
        Sage mir muse wer Es ist was Er wer Homer & warum
        ist Es wichtig & Es zu wissen sag mir wer du bist
        was Ich ist sag mir dich frage ich mich sage wenn
        ich meine er seiner die oder der irrt so ich irre
        wäre eine gewordene wäre die frage mich irre mich
        muse sage mir. Mir sage muse wer sagt dass Er sei
        Homer sei gewesen ein sie sei nicht einer sei ein
        e mehrzahl wenn er ist bin ich dann muse sage mir
        seine: worte für: mich sag mir: YOU SPIRITS: THAT
        TEND: ON MORTAL: THOUGHTS: UNSEX ME: HERE. sage m
 
        ihr sage muse dass ich sie sah dass ich sie musen
        nenne in spiegeln dass ich ihnen entgegensehe das
        kommende bild das ich Ich nenne sie ach sieh dich
        THOUGHTS UNSEX YOU MORTAL SPIRITS THAT TEND ON ME
        HERE & hier & da - alles Sein was ist mein & dein
        & nicht sein das nichtSein nichtEinsSein das mein
        das deinSein ein geteiltes erwidertes ungehöriges
        beisein in dem wir sind: kein bild nicht diese ab
        gebildeten körper die areale ist sie nicht die er
        innerung Es sind ihre töchter die singen - sage m
 
        nemo sag -technik sag vers und sag zeile maschine
        sag READ ONLY MEMORY & vergisses vergiss diese sp
        rache als eine als seine beherrschte PRESS UNDO &
        HOLD ON schreib sei diese eine sprache sei muse A
        MUSED MUSE A AMUSED MUSE eine taktlose springende
        stolpernd holpernde klingende & tanzende sprachen
        wir du die gleiche mit der ich anders rede & muse
        mir. mir sage: muse. dir sage mir uns musen plura
        la belle elle la plurielle immortelle kein einzig
        Es wort keine einzige welle meine doppelte stelle
 
 
aus: Barbara Köhler, Niemands Frau. Gesänge. Erscheint Herbst 2007 bei Suhrkamp.
 
Barbara Köhler, geboren 1959 in Burgstädt bei Chemnitz / Karl Marx Stadt. Ausbildung als Textilfacharbeiterin. Studium am Literaturinstitut Johannes R. Becher in Leipzig. Seit 1994 in Duisburg. Publikationen u.a.: „Deutsches Roulette“, Gedichte, 1991. „Blue Box“, Gedichte, 1995. „Wittgensteins Nichte. Vermischte Schriften / Mixed Media“ 2000.
 
 
Liesl Ujvary, Kommentar zu Barbara Köhler
 
Ist die Erde ein Spielfeld, ist die menschliche Lebensform eine Bakterienkultur, werden hier Experimente durchgeführt, Versuchsanordnungen probiert, Sprachspiele, Kriegsspiele, Gesellschaftsspiele, Tragödien, Komödien, Telenovelas, real life dokus, Migrationen, Aussenden von Weltraumsonden – warum vermehren wir uns nicht durch Zellteilung, warum Differenzierung in zwei Geschlechter, ist zweigeschlechtliche Fortpflanzung vorteilhaft für die Evolution, macht Ficken Sinn, ist Homers Odyssee eine Schule der Gefühle, hat Differenziation mit aristotelischer Logik zu tun, mit Digitalisierung von biologischer Information – wie viele Felder hat das Spielfeld, unterscheiden sich die Felder voneinander, welche Regeln gelten für die Durchquerung des Spielfelds, ändern sich die Regeln, kennen wir sie, muss das Spielfeld immer von Neuem durchquert werden, ist Nachdenken über die Regeln Denken


Im Archiv sind folgende Texte der vergangenen Monate auffindbar:

Konrad Bayer: niemand hilft mir! (mit freundlicher Genehmigung des Klett-Cotta-Verlags)
Reinhard Priessnitz: Passage aus LINZ, RINGEL, etc. (mit freundlicher Genehmigung des Literaturverlags Droschl)
Friederike Mayröcker: drei propositionen aus: je ein umwölkter gipfel (mit Zustimmung des Suhrkamp -Verlags)
Ernst Jandl: die amsel (mit freundlicher Genehmigung des Luchterhand Literaturverlages)
Raymond Roussel: Passage aus: Nouvelles Impressions d’Afrique (mit freundlicher Genehmigung von Hanns Grössel)
Ulrich Schlotmann: Der Vorstehhund aus Die Freuden der Jagd
Ilse Kilic: aus Oskars Moral bzw. Vom Umgang mit den Personen (mit freundlicher Genehmigung des Ritter Verlages)
Ann Cotten: Unter Linden
Velimir Chlebnikov: An den Erdball