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text des monats, liesl ujvary über
martin breindl, restl.welt
ist es
visuelle poesie, ist es ein
hinweis auf einen film, ist es ein fetzchen papier, ein objet
trouvé, ist es
eine proposition, ist es ein kunstwerk? in solchen begriffsfeldern
bewegt sich
der autor und medienkünstler martin breindl. das blatt war
2007 in der
ausstellung „change your tongue“ in der galerie
splitter, wien, ausgestellt.
martin
breindl wurde 1963 in wien
geboren und studierte an der universität für
angewandte kunst und an der
universität wien. seit 2001 kurator von fluss /
niederösterreich. 2001-2002
content design für „kunstradio online“.
arbeiten in den bereichen intermedia, installation, net.art,
radiokunst, sound
art, video und bildende kunst. zuletzt: 2005 „das schnelle
wort“, installation,
work in progress, dom im berg, graz. bei ncc netART community congress:
„die
wohltemperierte küche“, kochperformance mit dem
ensemble „die reihe“, tulln, in
zusammenarbeit mit „jeunesse“ und „musik
aktuell“. 1997 gründung des
künstlerkollektivs
„alien productions“ mit andrea sodomka und norbert
math, gemeinschaftsprojekte.
als
medienkünstler interessiert sich breindl
für den wahrnehmungsfluss, der nicht nur von der sogenannten
realität, sondern
auch von den medien strukturiert und gesteuert wird. die vielfachen
verschränkungen des wahrnehmungsflusses werden durchgespielt,
präsentiert,
ironisiert, denunziert. mögliche entflechtungen werden
angeboten. oft wird avancierte,
hochkomplexe technologie verwendet, etwa in dem neuen
gemeinschaftsprojekt „der
gedankenprojektor“, graz 2007.
die
idee zu DER
GEDANKENPROJEKTOR
geht auf
eine – nie realisierte – erfindung nikola
teslas zurück:
eine apparatur, mit
der man gedanken fotografieren könne. mit
einer
speziellen funduskamera der firma zeiss, wie sie bei medizinischen
untersuchungen
verwendung findet, werden augenhintergrund und iris der besucherInnen
fotografiert und auf eine zentrale projektion übertragen. ein
computer wertet
die entstandenen bilder aus und bringt die verborgenen gedanken der
besucherInnen,
die sich auf der retina abgebildet haben, zum vorschein. das ergebnis
wird als
„gedankenfries“ an die wand des ausstellungsraumes
projiziert, die bilder von auge
und augenhintergrund und die mit ihnen verschmolzenen gedanken werden
ins internet
gestreamt, wo sie allen userInnen zugänglich sind - also wird
im netz eine art monitoringsituation
geschaffen. das konzept ist gekoppelt an die realpolitische situation
des
gläsernen menschen, auf die überwachungskameras, die
ihre augen in jedem x-beliebigen
städtischen raum auf uns richten, auf die protokolle der
telefonanrufe, auf das
hierarchische system der kontrollorgane der macht.
"der
gedankenprojektor", vom künstlerhaus graz (werner
fenz, evelyn kraus) im september/oktober 2007 erstproduziert, wird
heuer 2008
bei der ars electronica in linz gezeigt und anschliessend in wien und
tokio zum
einsatz kommen. bis 15. november 2008 im künstlerhaus in wien, im rahmen der ausstellung „zeitraumzeit“
es geht
aber auch ganz anders, nämlich einfach
– wie in
den zeichnungen ZWISCHENZEIT – ZWISCHENRAUM,
mit bleistift und buchstabenfolien auf papier. dieses ineinander,
gegeneinander,
übereinander, die mehrdimensionalität unserer
wahrnehmungsprozesse wird hier bildhaft
klar gemacht.
leichtfüssig
und unangestrengt turnt
martin breindl, oft in gesellschaft seiner beiden mit-aliens andrea
sodomka und
norbert math, zwischen den metaebenen und vermittelt uns einsichten,
die
anderswo nicht so witzig und ästhetisch überzeugend
zu haben sind.
Im
Archiv sind die
Texte der vergangenen Monate auffindbar!