^ Alte Schmiede - Der Verein mit dem Hammer
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Die Alte Schmiede in Wien

Das Haus der Alten Schmiede liegt in einem der ältesten Stadtviertel Wiens. Die schmale und kurze, von zwei scharfen Kurven geprägte Schönlaterngasse liegt zwischen dem seit 1201 nachweisbaren „Heiligenkreuzerhof“ und den seit 1385 von der Wiener Universität bezogenen Gebäuden. Viele der alten, in der Renaissance- und Barockzeit errichteten Häuser dieses Viertels wurden im Laufe der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts restauriert, so auch das Haus Schönlaterngasse 9. Hier hatte sich eine öffentliche Ausspeisungsstätte befunden, bevor das Gewölbe des Hauses ab 1880 vom Schmiedemeister Schmirler als Werkstatt benutzt wurde. Dessen Sohn, der renommierte Kunstschmied Otto Schmirler, arbeitete dort bis 1970 und verkaufte dann seine Werkstatträume und Teile des darüber liegenden Wohnhauses dem kommunalen Verlag für Jugend & Volk.
Im Jahr 1969 war der Kunstverein Wien, so ist es in seinem Statut nachzulesen, als unabhängige Institution, die künstlerische Initiativen fördern will, die Künstler bei der Verwirklichung von Projekten bzw. bei der Schaffung ihrer Voraussetzungen unterstützen will, deren Tätigkeit nicht auf Gewinn gerichtet ist, und die den gemeinnützigen Zweck verfolgt, Kunst und Künstler sowie das Verständnis für diese zu fördern, auf Betreiben der Stadt Wien ins Leben gerufen worden. Nun wurde der Kunstverein beauftragt, in dem Haus „Alte Schmiede“ ein öffentliches Förderungsprogramm für zeitgenössische Künstler verschiedener Disziplinen aufzubauen. Die Schmiedewerkstatt sollte erhalten und öffentlich zugänglich gemacht werden.
Da sich in den Zentren europäischer Städte nicht mehr viele Schmiedewerkstätten mit intakter Einrichtung erhalten haben, kam der Alten Schmiede auch eine besondere kultur- und sozialgeschichtliche Bedeutung zu. Im Sinne des Meisters Schmirler sollte die Werkstatt zudem weiterhin genützt werden, also wurden die Werkplätze für Kunstschmiede beibehalten und neue für Metallplastiker und Keramiker geschaffen, eine mit dem Verlag für Jugend & Volk verbundene Galerie wurde eingerichtet und ein kleiner Saal für Vorträge und literarische Lesungen eröffnet. Seit 25 Jahren verfügt der Kunstverein Wien auch über eine Wohnung, die Autorengästen für mehrwöchige Arbeitsaufenthalte dienen kann.
Ein mit einer Buchhandlung gekoppeltes Café und ein in den tiefen Kellergewölben eingerichtetes Restaurant begleiteten ein Jahrzehnt lang die seit 1975 in der Alten Schmiede aufgenommene Veranstaltungstätigkeit, die vorerst im wesentlichen aus Autorenlesungen, Buch- und Zeitschriftenpräsentationen und Diskussionsabenden bestand sowie aus Ausstellungen junger Künstlerinnen und Künstler in der dem Nachwuchs gewidmeten Galerie Alte Schmiede. Aber schon bald wurde das Angebot der Veranstaltungen um kleine Gesprächskonzerte mit zeitgenössischen Komponisten ergänzt, wenig später erweitete das Literaturprogramm sein Spektrum substantiell, erst mit Symposien, dann mit von Autorinnen und Autoren konzipierten Projekt- und Forschungsreihen, und seit 1986 auch mit der Poetikvorlesung „Wiener Vorlesungen zur Literatur“.

Wenn man heute die Toreinfahrt des Hauses Alte Schmiede betritt, so trifft man auf einen großen alten Federhammer, der vom Meister Schmirler für seine Arbeiten genutzt worden ist. Linker Hand führt eine Tür in die Schmiedewerkstatt, in der nun auch Lesungen und Konzerte stattfinden können. Sie ist mit dem ehemaligen Galerieraum verbunden, der nun, einmalig in dieser Konzentration, als öffentlicher Leseraum für etwa 130 deutschsprachige und europäische Literatur- und Kulturzeitschriften dient.
Geradeaus führt der Weg zu einer in funktionaler Weise gegliederten Glasfront, durch die man den in der ehemaligen Metallgießerei untergebrachten Vortragsraum des Literarischen Quartiers betritt. Diesem war vom Architekten Franz Kneissl 1997 die heutige Gestalt gegeben worden, die in mehreren Architekturpublikationen als Musterbeispiel sachlicher Ästhetik gewürdigt wurde. Hier finden Lesungen und Symposien, aber auch Konzerte aller musikalischer Richtungen statt.
So finden sich historisch gewachsene Handwerksarchitektur und analytisch planende Setzung in produktiver Nachbarschaft und ergeben das Ambiente für ein kleines kulturelles Zentrum, dessen Wirkkraft weit über die zur Verfügung gestellten bescheidenen räumlichen Möglichkeiten hinaus ausstrahlt.