27.10. Dienstag 19.00 LQ
 | Programmschwerpunkt Stadtinstitut für literarische Forschungen, zusammen mit dem Sonderzahl Verlag WOLFGANG MÜLLER-FUNK (Drosendorf/ Wien) liest aus KOMPLEX ÖSTERREICH. Fragmente zu einer Geschichte der modernen österreichischen Literatur (Sonderzahl Verlag, 2009) • MARTIN KUBACZEK (Wien) Kommentar und Gespräch mit Wolfgang Müller-Funk |
Komplex Österreich verweist auf die Komplexität einer Literatur, die nicht leicht zu fassen ist, sowie auf eine bestimmte kollektive Befindlichkeit des Landes und seiner Autorinnen und Autoren. Dieser »Komplex« stellt aber auch eine symbolische Anordnung dar, die sich von geläufigen Vorstellungen nationaler Literaturen unterscheidet. Die österreichische Literatur ist in einem Zwischenraum zwischen der deutschen Literatur und der Literatur seiner Nachbarn angesiedelt und von daher nur in einem kulturellen Format zu fassen. Angesichts des absehbaren Endes einer programmatisch österreichischen Literatur nach 1945 wird die Frage nach den symbolischen Konstruktionen virulent, die den Komplex einer österreichischen Literatur konstituieren. Mit dem habsburgischen Mythos, der Heimatliteratur oder der Wiederentdeckung der Stadt war die Literatur an dieser Konstruktion aktiv beteiligt. „Komplex Österreich“ ist in seiner Konzeption fragmentarisch und umfasst Beiträge unter anderem zu Grillparzer, Stifter, Schnitzler und Saar, zu Musil, Broch, Canetti und Roth und schließt mit Aufsätzen über Ransmayr, Gstrein und Dinev. Müller-Funk will keine Einheitlichkeit vortäuschen, doch erhellen sich seine Beiträge wechselseitig und ergeben bei aller Brüchigkeit einen unverwechselbaren Gesamtzusammenhang. Insofern ist dieses Buch auch als eine Einführung in die österreichische Literatur zu lesen, eine Introduktion ganz eigener Art.
Wolfgang Müller-Funk, *1952 in Bremen, aufgewachsen in München, Wien und Ulm, Studium in Germanistik, Geschichte, Philosophie und Spanisch an der Universität München. Universitäre Lehre u.a. an den Universitäten in München, Wien, Klagenfurt (Habilitation für Germanistik und Kulturwissenschaft), Brimingham, zahlreiche internationale Gastprofessuren, publizistische, organisatorische und kuratorische Tätigkeit. 1984-1994 Wissenschaftlicher Leiter der Waldviertel- Akademie und der Internationalen Sommerschule im Schloß Weitra und auf der Burg Raabs/Thaya (NÖ). Buchpublikationen: Literatur als geschichtliches Argument. Zur ästhetischen Konzeption und Geschichtsverarbeitung in Lion Feuchtwangers Romantrilogie „Der Wartesaal“ (1981); Die Rückkehr der Bilder. Beiträge zu einer „romantischen Ökologie“ (1988). Joseph Roth. Monographie (1989); Die Enttäuschungen der Vernunft. Von der Romantik zur Postmoderne (1990); Erfahrung und Experiment. Studien zu Theorie und Geschichte des Essayismus (1995); Der Intellektuelle als Souverän (1995); Junos Pfau. Texte zur historischen Anthropologie der Medien (1999); Die Farbe Blau. Beiträge zu einer Epistemologie des Romantischen (2000); Die Kultur und ihre Narrative. Eine Einführung (2002 / 2008); Niemand zu Hause. Essays zu Kultur, Globalisierung und neuer Ökonomie (2005); Einführung in die Kulturtheorie (2006). | |