10.2. Mittwoch 19.00 LQ

| LITERATUR ALS RADIOKUNST im ORF-Kunstradio: Die vier Produktionen des Jahres 2009 von URS ALLEMANN (Basel)* VERLAUTBARUNG • RICHARD OBERMAYR (Wien) STILLGELEGT - Ursendung am 21.6. 2009 • SABINE SCHO (Berlin – São Paulo) GROBER RUNDFUNK • NICO BLEUTGE (Berlin) STIMMEN (12:03) - Ursendung am 20.12.2009 • Einleitung der Kuratorin CHRISTIANE ZINTZEN, Statements der Autorin und der Autoren, Vorführung der Produktionen in 5.1.-Kanal-Surround-Qualität, Diskussion |
Wie schon in den vorigen Jahren stellt das im Rahmen des ORF- Kunstradio angesiedelte Projekt "Literatur als Radiokunst" die vier, während eines Produktionsjahrs gesendeten Mehrkanal-Arbeiten (5.1- Surround Sound) vor. Gemeinsam ist den rund 15-minütigen Autorenproduktionen, dass Text und Stimme im Mittelpunkt der auditiven Werke stehen. Dem einzelnen Künstler fällt damit die Rolle sowohl des Urhebers als auch des Interpreten, des Regisseurs und – gemeinsam mit kundigen Tonmeistern – die des Bearbeiters am digitalen Mischpult zu. Im "Literatischen Quartier" erklingen die vier Produktionen in voller Länge: In Anwesenheit der Autoren und in aufwendigem Surround- Aufbau. Zwei geradezu gegensätzliche poetische Temperamente manifestieren sich in den ersten beiden vorgestellten Klangwerken von "Literatur als Radiokunst". Während der Schweizer Urs Allemann mit "verlautbarung" eine virtuos-irrwitzige Sprachphantasie über Wort und Thema (radiophoner) Verlautbarungen permutiert, sucht der junge Oberösterreicher Richard Obermayr mit seinem Stück "stillgelegt" skrupulös nach dem Anlauten von Erinnerung – und deren Verhallen. Mit Sabine Scho und Nico Bleutge sind im zweiten Teil der Präsentationen zwei jüngere Poeten zu vernehmen, deren jüngste Gedichtbände für Aufsehen sorgten. In ihrem radiophonen Début kommen in Sabine Schos "grober rundfunk" Einwände gegen den "schalltoten Raum" des Aufnahmestudios zur Sprache. Nico Bleutges "Stimmen" (Arbeitstitel) wendet sich jener Kakophonie von literarischen, kulturellen und widersprechenden Assoziationen zu, welche den Schreibprozess begleiten. Womit das Radio hier zum "Suchtfunk", dort zur Metapher des poetischen Weltempfängers wird. (Christiane Zintzen, Kuratorin)
Urs Allemann, *1949 in Schlieren bei Zürich, lebt in Reigoldswil bei Basel. Studium der Germanistik, Anglistik, Soziologie und Sozialpsychologie an den Universitäten Marburg und Hannover. Von 1986 bis 2005 Leitung des literarischen Feuilleton der Basler Zeitung. 1991 Teilnahme am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb..Freier Schriftsteller, Performer und Rezitator. Bibliographie (Auswahl) : Fuzzhase. Gedichte (1988); Öz & Kco. Sieben fernmündliche Delirien. (1990); Babyficker. Erzählung (1992). Die Gedichtbände Holder die Polder. Oden, Elegien, Andere (2001); schœn! schœn! Gedichte (2003) sowie Im Kinde schwirren die Ahnen. 52 Gedichte (mit CD, 2008) sind bei Urs Engeler Editor erschienen.
Richard Obermayr, *1970 in Ried/Innkreis, lebt in Wien. Studium in Wien, 1996 Teilnahme am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. 1998 erschien bei Residenz der akklamierte Roman Der gefälschte Himmel. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, zuletzt Mein Löwenherz mein Hasenfuß mein Pfauenthron, Zu Peter Pommerer, in: Bildsatz. Texte zu bildender Kunst, DuMont 2008. Für Frühjahr 2010 ist bei Jung und Jung der Roman Das Fenster angekündigt.
Sabine Scho, *1970 in Ochtrup, lebt in São Paulo und Berlin. Studium der Germanistik und Philosophie an der Universität Münster. Seit 1999 hat sich Sabine Scho durch Auftritte bei internationalen Festivals einen Ruf als Performerin erworben. Publikationen: Thomas Kling entdeckt Sabine Scho. Gedichte. Europa-Verlag 2001 (2008 neu gestaltete Wiederauflage unter dem Titel Album. Gedichte bei kookbooks), Veröffentlichungen in Zeitschriften (BELLA triste, Zwischen den Zeilen) sowie im Rahmen der Internetplattform forum der 13. Zuletzt erschienen: farben. Gedichte (2008).
Nico Bleutge, *1972 in München, lebt in Berlin. Studium der Neueren Deutschen Literatur, Allgemeinen Rhetorik und Philosophie in Tübingen. Lyriker, Essayist und Literaturkritiker u.a. für die Süddeutsche Zeitung, die Neue Zürcher Zeitung und die Stuttgarter Zeitung. Er erhielt den ersten Preis beim open mike 2001, den Wolfgang-Weyrauch-Preis 2003, das Hermann-Lenz-Stipendium 2006 und den Anna Seghers-Preis 2006. Publikationen: klare konturen. Gedichte (2006); fallstreifen. Gedichte (2008).
*mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Pro Helvetia, Zürich •
In Zusammenarbeit mit dem Kunstradio Ö1 Hinweis: 19.2., ab 19.00, RadioKulturhaus: DIE LANGE NACHT DES HÖRSPIELS mit Kür des HÖRSPIELS DES JAHRES | |