25.2. Donnerstag 19.00 LQ | JOCHEN JUNG (Salzburg) liest aus DAS SÜSSE MESSER. Novelle (Haymon Verlag, 2009) • Einleitung: Kurt Neumann • GERT F. JONKE (1946-2009) ALLE GEDICHTE (herausgegeben und mit einem Nachwort von Klaus Amann, Jung und Jung Verlag) – Vorstellung des Bandes durch KLAUS AMANN (Universität Klagenfurt), aus dem Buch lesen Klaus Amann, Jochen Jung, Kurt Neumann |
Die Fähigkeit zur stofflichen Konzentration und das Streben nach sprachlicher Präzision zeichnen die Erzählung von Jochen Jung aus und lassen so einen der profiliertesten Verleger Österreichs in der gemeinsamen Sache der Literatur als gleichrangigen und somit doppelt qualifizierten Kollegen der von ihm verlegten Schriftstellerinnen und Schriftsteller erscheinen. Wie in einem Brennglas zeigt Jungs Novelle das Leben der Kunsthistorikerin Ute Cantz am Vortag ihres 50. Geburtstages; gescheiterte und neu entstehende Beziehungen, berufliche Etablierung und das Wechselspiel von Distanz und Nähe zur nun erwachsenen Tochter, die sie ohne Mann großgezogen hat. Indem diese ihrer Mutter untersagt, sie zu einer notwendigen Untersuchung in die Klinik zu begleiten, wird die Verletzlichkeit des Beziehungsgefüges einer emanzipierten Frau offenkundig, deren unerschrockene Offenheit in einer überraschenden erzählerischen Wendung erkennbar wird. Ein sehr eigener und ungewohnter Ton ist es, mit dem Jochen Jung seine Leser verunsichert und zugleich amüsiert, so wie er es schon in seinen Märchen in dem Buch Ein dunkelblauer Schuhkarton gemacht hat. So schrägt er sich stilistisch brillant durch eine Realität, die, auf phantasievolle Weise anders scheinend, eindeutig als unsere erkennbar ist. (Haymon Verlag)
Jochen Jung, *1942 in Frankfurt am Main, lebt in Salzburg. Studium der Germanistik und Kunstgeschichte, seit 2000 Verleger des Jung und Jung Verlags. Ständiger Mitarbeiter der ZEIT, des Berliner Tagesspiegels, der Wiener Presse und der Salzburger Nachrichten. Buchpublikationen: Ein dunkelblauer Schuhkarton. Hundert Märchen und mehr (2000); Täglich Fieber. Erzählungen (2003); Venezuela. Roman (2005). * Vermutlich war Gert Jonke eine der letzten wahrhaftigen Dichter-Existenzen unter den deutschsprachigen Autoren: Sein Leben und Schreiben war eine untrennbare Einheit. Aber Gert Jonke als Lyriker? Ist da eine neue Seite an dem Sprachzauberer zu entdecken? Ja und nein. Das poetische Universum dieses Dichters kannte bekanntlich keine Gattungen und keine Grenzen. So sind viele der Chorlieder und Zorn-Arien, der Anrufungen und Gesprächsduette in seinen Theaterstücken unverkennbar lyrische Gesänge. Das hat auch sein Publikum so wahrgenommen. Hier erscheinen diese Kleinodien neben den originären Gedichten in einem neuen Kontext. Und, beinahe ist es schon in Vergessenheit geraten: Gert Jonke hat schließlich als Lyriker begonnen. Seine ersten Veröffentlichungen, als Sechzehn- und Siebzehnjähriger, waren Gedichte, bis sein Vormund ihm das Schreiben und Veröffentlichen verboten hat. Das Verbot hat nicht lang gehalten, und Gert Jonke hat weiter Gedichte geschrieben, hat sie in Sammelbänden publiziert oder hat sie in seine Stücke, seine Prosa und seine Essays hineingezaubert. In diesem Buch wird der Schatz gehoben.
Gert Jonke, *1946 in Klagenfurt; während der Mittelschulzeit Klavierausbildung am Landeskonservatorium Klagenfurt. Ab 1966 Studium der Germanistik, Geschichte, Philosophie und Musikwissenschaft an der Universität Wien. Längere Aufenthalte in London, Argentinien, Hamburg und Frankfurt. Er lebte von 1982 bis zu seinem Tod am 4. Jänner 2009 in Wien. Buchpublikationen: Geometrischer Heimatroman (1969); Glashausbesichtigung (1970); Schule der Geläufigkeit. Erzählung (1977); Der Ferne Klang. Roman (1979); Erwachen zum großen Schlafkrieg. Erzählung (1982); Der Kopf des Georg Friedrich Händel (1988); Stoffgewitter (1996); Es singen die Steine. Ein Stück Naturtheater (1998); Himmelstraße - Erdbrustplatz oder Das System von Wien (1999); Insektarium (2001); Redner rund um die Uhr. Eine Sprechsonate (2003); Chorphantasie. Konzert für Dirigent auf der Suche nach dem Orchester (2003); Strandkonzert mit Brandung. Georg Friedrich Händel. Anton Webern. Lorenzo da Ponte (2006). Theaterstücke: Die Hinterhältigkeit der Windmaschinen (Graz, 1981); Sanftwut oder Der Ohrenmaschinist (Graz, 1990); Opus 111. Ein Klavierstück (Wien, 1993); Gegenwart der Erinnerung (Wien, 1995); Es singen die Steine (Klagenfurt, 1998); Insektarium (Wien, 1999); Chorphantasie (Graz, 2003); Die versunkene Kathedrale (Wien, 2005); Sanftwut oder Der Ohrenmaschinist (Wien, 2006); Freier Fall (Wien, 2008); Platzen Plötzlich (Bregenz, 2008). | |