1.3. Montag 19.00 LQ
 | DICHT-FEST gemeinsam mit der Grazer Autorinnen Autoren Versammlung Moderation: CHRISTINE HUBER GAV PETRA GANGLBAUER (Wien) Die Überprüfung des Meeres (Edition Art Science) • GÜNTHER KAIP (Wien) Katarakte (arovell) • TONI KLEINLERCHER (Wien) uguisu in den büschen (Manuskript) • NIKOLAUS SCHEIBNER (Wien) der beutegreifer (etcetera 36) • JOSEF LINSCHINGER (Traunkirchen) Poesie der Vokale (Bibliothek der Provinz) • HERBERT J. WIMMER (Wien) Grüner Anker (kolik 45) |
In ihrem neuen Gedichtband "Die Überprüfung des Meeres" lässt sich Petra Ganglbauer (*1958) auf den Grat "Vertrautes" und "Ausloten" ein - Das Meer z.B. ist ein vertrautes Motiv, vor allem in der Lyrik - und die zeitgenössische Autorin sucht danach, dieses von neuem wieder zur Sprache zu bringen. In "Katarakte" geht Günther Kaip (*1960) einem ähnlichen Prozess nach. Die gezeichnete Miniatur (erstellt mit der Computermaus, quasi in einem automatischen Prozess) wird dann interpretiert - die Grafik schiebt sich ins Private, das Erzählende in die Lyrik, das Gedicht in einen Prozess - und wenn alles gut geht, schließt sich das am Ende kurz. Toni Kleinlercher (*1958) kommt aus der Ferne ins Vertraute. Als Japan-Bewohner (für sechs Jahre) musste er das Fremde in Zugangbares fassen. Die Möglichkeiten des Gedichts schafften und schaffen dabei Vektoren: Das im hiesigen Kontext vertraute An-Klängen-entlang-Arbeiten, das starke Verkürzen, kongruent gesetzt zu den Anforderungen des Haikus - beide Zugänge sind nicht minimalistisch gearbeitet, sondern ergänzt und erweitert. Auch im Beitrag von Josef Linschinger (*1945) spielt Japan eine Rolle. In "POESIE DER VOKALE" sind drei Ebenen verflochten: Vokale, wie sie den indogermanischen Sprachen vertraut sind, Vokale, wie sie ausschließlich für den Gesang notiert waren (fürs Kommunizieren waren Definitionen nicht nötig), werden dann um die im digitalen Zeitalter alles begleitenden Bar-Codes als Teil des heutigen Alltags erweitert. Aus diesen Schichtungen sind die visuellen Poeme gewonnen - in farblichen Paletten - und werden an diesem Abend projiziert. Nikolaus Scheibner (*1976) schafft in "der beutegreifer" je Gedicht kleine Universen, die ein Panoptikum an Gefühlen in den Hörenden / Lesenden evozieren, ohne dass deshalb eine bestimme Saite benannt oder gar ausgreifend ausgeführt wird. Das weist auf höchste lyrische Präzision hin, wobei das Fassbare so schnell verschwindet, dass alle Unfassbarkeiten einen Arbeitsauftrag für die Lesenden / Hörenden bedeuten. Herbert J. Wimmer (*1951) schafft in dem Zyklus, der auf 99 Gedichte angelegt ist, ähnliches. In den für den heutigen Abend ausgewählten Beiträgen ist der Verlauf ein sich jäh Verjüngender, was die Zeichenmenge betrifft; vom Fragen (ohne Antworten) hin zur Serie, zur Reihe, zur Liste, zum Statement, oder besser benannt: Zur Behauptung. (Christine Huber) | |