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18.3. Donnerstag
19.00
LQ
BARBARA FRISCHMUTH (Altaussee) liest aus ihren neuen Fabeln DIE KUH, DER BOCK, DIE GEISS UND IHR LIEBHABER (Aufbau Verlag, 2010) Einleitung und Gespräch mit der Autorin: HERBERT MAURER (Wien) in Zusammenarbeit mit dem Aufbau Verlag
Barbara Frischmuth nimmt mit ihrem fabelhaften Erzählspiel eine Spur auf, der sie in ihrem Werk bereits mehrfach gefolgt war und die sie zu Zwischenwesen verschiedenster Ausprägung geführt hatte. Die von Mythen und Märchen vorgezeichneten Mehrfachidentitäten und Grenzüberschreitungen lassen das „Andere“ als Spiegel und parabelartiges Erkenntnismittel für das „Eigene“ erscheinen. Die Form der Tierfabel ist eine leichtfüßige und lustvoll-sprachspielerische Variante des gesamten Genres, in dem sich Frischmuth u.a. mit ihren „Mörderischen Märchen“, dem Erzählungsband „Wassermänner“, mit der Bildergeschichte „Machtnix oder Der Lauf, den die Welt nahm“ und nicht zuletzt mit ihrer großen „Sternwieser“-Trilogie in ganz unterschiedlicher Weise bewegt hat.
Barbara Frischmuth lässt sich von der Sinnlichkeit der Sprache verführen, sie nimmt sie beim Wort und geht den Wendungen der Rede nach, dass man unentwegt gleich ihren Tieren im Hausgebrauch die Ohren spitzt, um nicht in Fallen zu tappen oder die Eselsbrücken zu verpassen. Wozu führt das nicht alles: zum dicken Hund, zum Kroko-Deal, zur Busenschlange, zum Katzenjammer, zu Schwanenseen oder dem Otterndilemma. Der Sprachwitz inspiriert zu Charakteren, Situationen und Bekenntnissen, die stets aus Zwiespältigkeiten erwachsen und Mehrdeutigkeiten nicht scheuen. Kurz, hier ist man auf der hohen Schule von Nonsens und Schwarzem Humor, auf der man amüsiert so manches lernt über den Nager in uns, Verwirrungen der Affenliebe und wie eine junge Geiß den Schäfer nach ihrer Pfeife tanzen lässt.

Barbara Frischmuth, *1941 in Altaussee, wo sie nach Studien in Graz, der Türkei und Ungarn und vielen Jahren in Wien als freie Schriftstellerin und Übersetzerin wieder lebt. Zahlreiche Romane, Erzählungen, Hörspiele, Theaterstücke, Filme. Auszeichnungen, u.a. Anton-Wildgans-Preis 1973, Manuskripte-Preis 1988, Franz Nabl-Preis 1999, Großer Josef Krainer-Preis 2003, Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln 2005. Publikationen (Auswahl): Die Klosterschule (1968); Das Verschwinden des Schattens in der Sonne (1973); Haschen nach Wind. Erzählungen (1974); Die Mystifikationen der Sophie Silber (1976); Amy oder Die Metamorphose (1978); Kai und die Liebe zu den Modellen (1979); Bindungen. Erzählung (1980); Die Frau im Mond (1982); Kopftänzer (1984); Herrin der Tiere (1986); Über die Verhältnisse (1987); Mörderische Märchen. Erzählungen (1989); Einander Kind (1990); Traum der Literatur - Literatur des Traums. Münchner Poetik-Vorlesungen (1991, Erw. Ausg. 2009); Hexenherz. Erzählungen (1994); Die Schrift des Freundes (1998); Fingerkraut und Feenhandschuh. Ein literarisches Gartentagebuch (1999); Schamanenbaum. Gedichte (2001); Die Entschlüsselung (2001); Löwenmaul und Irisschwert. Gartengeschichten (2003); Der Sommer, in dem Anna verschwunden war. Roman (2004); Marder, Rose, Fink und Laus. Meine Garten WG (Fotos Herbert Pirker, 2007); Vergiss Ägypten. Ein Reiseroman (2008); Vom Fremdeln und Eigentümeln. Essays (2008); Über Barbara Frischmuth (Dossier extra 2007).

Herbert Maurer, *1965 in Wien. Studium der Altphilologie, Theologie und Sprachwissenschaften in Wien, Venedig, Köln, Bilbao und Jerevan. Dichter, Publizist und Übersetzer, Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien. Zuletzt erschienen: Im Schatten der Hirschin. Erzählungen (2006); Bitte Regen! Neue armenische Literatur (Hg., 2009).