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25.3. Donnerstag
19.00
LQ
RICHARD OBERMAYR (Wien) liest aus seinem Roman
DAS FENSTER
(Jung und Jung Verlag, 2010)

Einleitung und Gespräch mit dem Autor: PAUL JANDL (Wien)
In Richard Obermayrs Literatur entzündet sich ein unnachgiebiges Ringen um Genauigkeit des sprachlichen Ausdruckes an einem überwachen Bewusstsein vom Da-Sein der Menschen und Dinge stets von neuem. So erreicht sie eine aufs äußerste gespannte, eine ins Innerste getriebene Intensität der Wahrnehmung und der Empfindung.
Ist die Kugel, die durch diesen Roman fliegt, je abgefeuert worden? Und wenn ja, wird sie ihr Ziel erreichen, oder wird die Verlangsamungstaktik des Erzählers diesen Schuss aufhalten können? Dies ist die Geschichte einer Familie, die unter den Folgen eines Ereignisses leidet, für das es zwar viele Vorzeichen und Hinweise gab, das aber womöglich nie stattgefunden hat.
Richard Obermayr hat einen Roman über das flüchtigste und zugleich unwiederrufbarste Element geschrieben: die Zeit. Tag für Tag geht sie durch uns hindurch und häuft sich als eine Vergangenheit auf, von der wir nicht wissen, was mit ihr geschieht. Ist es möglich, dass diese gelebte Zeit hinter uns weiterreift, ja dass jene Teile unserer Persönlichkeit, die wir zurücklassen mussten, um die zu werden, die wir heute sind, sich hinter unserem Rücken, hinterrücks, gegen uns verbünden? Was ist, wenn eines Tages die Vergangenheit uns nicht mehr braucht und ohne uns weiterlebt?
Als Richard Obermayr vor über zehn Jahren seinen ersten Roman vorlegte, wirkte er ebenso verstörend wie begeisternd. Ein neuer Autor war auf den Plan getreten, dem man Außerordentliches zutraute. Zu Recht: Sein zweiter Roman löst das Versprechen, das der erste gab, auf glänzende Weise ein.


Richard Obermayr, *1970 in Ried/Innkreis, lebt in Wien. Studium in Wien, 1996 Teilnahme am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. 1998 erschien bei Residenz der akklamierte Roman Der gefälschte Himmel. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, zuletzt Mein Löwenherz mein Hasenfuß mein Pfauenthron. Zu Peter Pommerer in: Bildsatz. Texte zu bildender Kunst (2008).

Paul Jandl, *1962 in Wien. Studium der Germanistik und Philosophie an der Universität Wien. Seit Ende der achtziger Jahre Arbeit als freier Kritiker und Kulturjournalist bei österreichischen und deutschen Printmedien. Arbeit für den Rundfunk. Seit 1998 österreichischer Kulturkorrespondent der Neuen Zürcher Zeitung in Wien. Gastprofessur als Max Kade Critic in Residence an der Washington University St. Louis 2008.