26.4. Montag 19.00 AS
 | ZWISCHENWELT - Zeitschrift für Kultur des Exils und des Widerstandes (Wien, gegründet 1984) • Die Väter im Exil ein Abend mit MARTIN RODA BECHER (Basel), SIGLINDE BOLBECHER, KONSTANTIN KAISER, HARRY KUHNER (Wien) • Reihe Literaturzeitschriften XXXI |
Väter im Exil sind aus der Bahn geworfene, oft nicht mehr vorhandene oder ganz klein gewordene Gestalten, Menschen, über die Günther Anders in „Post festum“ schreibt: „Nicht jugendlich waren wir, sondern unerwachsen. Während Jugendliche noch nicht erwachsen sind, waren wir noch immer nicht erwachsen, in den schlimmsten Fällen biographischer Desorientierung sogar nicht mehr erwachsen.“ Man stößt sich also ab von den Vätern, und doch bleiben sie gegenwärtig, ob nun ihr Bild literarisch gestaltet wird, oder ob sie nur eine genau umschriebene Leerstelle besetzen. Siglinde Bolbecher erinnert an Stella Rotenberg, deren Vater in Maly Trostinec ermordet wurde, Harry Kuhner zeugt vom Verschwinden des Vaters im Exil, Martin Roda Becher berichtet von seinem Vater Ulrich Becher und dessen Briefen an die Großeltern. (Konstantin Kaiser)
Martin Roda Becher, *1944 in New York City, wuchs in Wien, München und Berlin auf. Schriftsteller, Drehbuchautor, Literaturkritiker, Verfasser von Romanen und Erzählungen, Drehbüchern, Hörspielen, Theaterstücken. Ausgebildet als Schauspieler und Regisseur in Zürich. Lebt in Basel. Werke u.a.: Chronik eines feuchten Abends. Erzählungen (1965); Flippern. Roman (1968); Die rosa Ziege. Roman (1975); An den Grenzen des Staunens. Aufsätze (1983); Unruhe unter den Fahrgästen. Aufzeichnungen (1986); Abschiedsparcours. Erzählungen (1998); Dauergäste. Meine Familiengeschichte (2000).
Siglinde Bolbecher, Historikerin, Exilforscherin, Lyrikerin, Mitbegründerin und stellv. Vorsitzende der Theodor Kramer Gesellschaft. Herausgeberin der Zeitschrift für Kultur des Exils und des Widerstandes Zwischenwelt. Leiterin der Frauen-Arbeitsgemeinschaft in der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung. Zahlreiche Studien und Beiträge zur österreichischen Exilliteratur und Zeitgeschichte. Herausgeberin der gesammelten Werke von Stella Rotenberg, Mitverfasserin des Lexikons der österreichischen Exilliteratur (2000). Zuletzt u.a. Herausgeberin von Frauen im Exil (2007) und Gedichte in der Anthologie Widerstand und Freiheitskampf (2009).
Harry Kuhner, *1935 in Wien, emigrierte 1939 mit den Eltern nach London und 1940 weiter nach New York. Er studierte an der Columbia Universität. 1963 Rückkehr nach Wien; Schlagzeuger, freier Schriftsteller und Übersetzer österreichischer Lyrik (Austrian Poetry Today, 1985; If the Walls Between Us Were Made of Glass, 1992). Schreibt auf Englisch. Werke: Nixe. Roman (1968); Der Ausschluß (1988); Liebe zu Österreich/Love of Austria. Gedichte (1998); Minki die Nazi Katze und die menschliche Seite. Prosa (1998).
Zwischenwelt (bis 2000 Mit der Ziehharmonika) - seit 1984 ein Forum für die Literatur des Exils und für AntifaschistInnen, die dies nicht nur bei Gedenkfeiern sind, beschäftigt sich mit den großen und kleinen Fragen der Zeit und des Schreibens 'danach'. Zuletzt erschien das Dezemberheft 2009, Schlaf der Vernunft?, mit Beiträgen u.a. von Martin Pollack, Eva Bourke, Manfred Wieninger, Elfriede Jelinek, Vladimir Vertlib, Eva Kollisch, Josef Burg, Ina Roberts, Gerhard Scheit, Margit Bartfeld-Feller. | |